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Wind farm versus habitat; Construction project threatens indigenous culture  

Credit:  Windpark versus Lebensraum; Bauprojekt bedroht indigene Kultur | Reinhard Wolff, Auslandskorrespondent Skandinavien und das Baltikum taz | 6.8.2020 | taz.de ~~

Jedes Jahr im Juni veröffentlicht die norwegische Energieregulierungsbehörde NVE Informationen über die einheimische Stromproduktion und den Stromverbrauch des Vorjahres. Es sind auf den ersten Blick äußerst merkwürdige Zahlen.

Da wurde in Norwegen zu 98 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen produziert – überwiegend ist das Wasserkraft. Auf der Verbrauchsseite standen die Erneuerbaren in Norwegen aber nur für 9 Prozent, Strom aus fossilen Quellen dagegen für 58 und Atomstrom für 33 Prozent. In einem Land ohne ein einziges AKW und mit nur einer Hand voll kleiner Wärmekraftwerke?

Tatsächlich kommt in Norwegen nahezu durchweg Wasserkraftstrom aus der Steckdose. Auf dem Strommarkt wurde der aber mit Strom aus fossilen Quellen und Atomstrom quasi getauscht. Allerdings nur virtuell. Dahinter steckt das EU-System der Herkunftsnachweise (EU-Richtlinie 2009/28EG). Das ermöglicht einen isolierten Handel mit der vom eigentlichen Produkt abgetrennten Herkunft.

In Deutschland führt das System beispielsweise dazu, dass Braunkohle- oder Atomstrom das Etikett Ökostrom aufgeklebt werden kann, wenn sich der Stromhändler von einem Wasser- oder Windkraftproduzenten in Norwegen den Herkunftsnachweis für die entsprechende Menge erneuerbaren Stroms gekauft hat.

Für Energiewende und Klimaschutz im eigenen Land, die VerbraucherInnen mit ihrer Ökostrom-Wahl womöglich fördern wollten, bringt ein solcher Tausch nichts. Aber für die Produzenten in Norwegen, die das Etikett meistbietend verkaufen, und den Stromhändler, der dann zum teureren Ökostromtarif vermarkten kann, ist es ein lohnendes Geschäft. Der Herkunftsnachweis-Bonus, der sich zusätzlich zum Stromverkauf im Produktionsland selbst verdienen lässt, ist auch ein Grund dafür, dass deutsche Energiemarktakteure zunehmend in Energieproduktion in den nordischen Ländern investieren.

Exixtenzbedrohendes Projekt

Skandinavien sei nun “unser wichtigster Markt“, erklärte Ingmar Helmke, Investmentdirektor der Firma Aquila Capital, kürzlich in einem Interview. Das Unternehmen, laut Eigendarstellung ein „alternativer Investmentmanager“, der „innovative, zukunftsweisende & nachhaltige Anlagemöglichkeiten“ anbiete, hatte im Januar alle Aktien eines nordnorwegischen Windkraftprojekts übernommen. Auf dem Øyfjellet sollen 72 Windkraftwerke gebaut werden – mit einem installierten Effekt von 400 MW die derzeit größte derartige Anlage des Landes.

Der Same Ole-Henrik Kappfjell fürchtet aufgrund dieses Projekts um seine Existenz. Zu den zentralen Weidebereichen, die seine Rentiere brauchen, gehört das Øyfjellet. Ein 600 bis 800 Meter hohes Berggebiet mit bislang weithin unberührter Natur, das rund 900 Kilometer nördlich von Oslo in der Region Nordland liegt.

Für den knapp 50 Quadratkilometer großen Windkraftpark des deutschen Investors werden dort derzeit 64 Kilometer Zufahrtswege und Verbindungsstraßen gebaut. Ab Herbst 2021 sollen die Windkrafträder Strom liefern. Sie stehen da, wo die großen Rentierherden von Kappfjell und anderen Rentiersamen in diesem Distrikt traditionell von ihren Sommerweiden in den Bergen zu den Winterweiden im Tiefland wechseln und umgekehrt.

Wegen der Bedeutung des Øyfjellet für die Rentierwirtschaft war dieser Standort für eine große Windkraftanlage von der regionalen Regierung von Nordland von Anfang an abgelehnt worden. Lokale VertreterInnen des Naturschutzverbands „Naturvernforbundet“ sprechen von einer „Katastrophe für eine 600 Jahre alte Kultur und Wirtschaftsweise“. Naturschutzorganisationen und Vertreter der Samen versuchten das Projekt gerichtlich zu stoppen. Doch die Justiz folgte der Argumentation der Regierung in Oslo: Das gesamtgesellschaftliche Interesse am Ausbau der Windenergie überwiege.

Die Gesellschaft Eolus, die den Bau verantwortet, erklärte auf die Kritik in einer in der Lokalzeitung veröffentlichten Stellungnahme, diverse Änderungen an dem Projekt vorgenommen zu haben, um die Eingriffe in die Naur zu verringern. Es gebe keinen Grund, warum Windpark und Rentiere nicht nebeneinander existieren könnten.

Wer das behaupte, verstehe nichts von Rentieren, sagen die Samen. Auf ihrem jährlichen Zug zwischen den Weiden würden viele trächtige Rentiere ihre Jungen zur Welt bringen. Sie bräuchten Ruhe und dürften mit ihren neugeborenen Kälbern nicht gestresst und getrieben werden. So ein Windpark sei aber ein außerordentlicher Stressfaktor für sie: sowohl bei seinem Bau, der umfassende Eingriffe in die Natur mit sich bringe, als auch beim laufenden Betrieb.

Baubeginn ohne Abkommen

Nun wurde zwar in den Konzessionsbestimmungen für die Windkraftanlage verankert, dass zwischen ihren Betreibern und den Samen ein Abkommen getroffen werden müsse, welche Rücksicht auf einen möglichst ungestörten Zug der Rentiere zwischen Sommer- und Winterweidegebieten genommen werden solle. Obwohl es dieses Abkommen noch nicht gibt, durften in diesem Frühjahr die Bauarbeiten auf dem Øyfjellet beginnen, noch bevor die Rentiersamen mit ihren Tieren das Gebiet gequert hatten. Die Samen hatten einen Baustopp von einem Monat gefordert, der Bauherr hielt vier Tage für ausreichend.

Das Energieministerium begründete die Genehmigung der Fortsetzung der Bauarbeiten mit den ansonsten entstehenden Kosten: „Wenn der Bauherr mit Crew, Maschinen und allem bereitsteht, das kostet ja Millionen“, erklärte Staatssekretärs Tony Christian Tiller: Es liege aber „im öffentlichen Interesse, diese so niedrig wie möglich zu halten“. „Ein nationaler Skandal“, empört sich Ellionor Marita Jåma, Vorsitzende des „Reichsverbands der norwegischen Rentiersamen“ (NRL): „Die Macht des Geldes ist wichtiger als das Tierwohl.“

Der nun vom Øyfjellet-Projekt betroffene Rentierdistrikt hat in den vergangenen vier Jahrzehnten durch den Ausbau von Straßen, Wasserkraft und Stromleitungen sowie Bergbauaktivitäten bereits die Hälfte seiner Weideflächen verloren. Nun verschwänden die nächsten für immer, klagt Runar Myrnes Balto, Vorsitzender des Reichsverbands der norwegischen Samen (NSR).

Für Rentiersamen sei Windkraft weder grün noch eine Energiewende, sagt Maria Fjellheim vom Zentrum für samische Studien der Universität Tromsø. Es sei nur eine weitere Industrie, die sich zerstörend über die samische Kulturlandschaft lege. Opfere man Natur und biologische Vielfalt dem Kampf gegen die Erderwärmung, sei das keine Lösung. Sie fragt: Wie wolle man rechtfertigen, dass ausgerechnet die Samen mit ihrer naturnahen Lebensweise die hohen Kosten der Klimapolitik bezahlen sollen?

Was für Staat und Wirtschaft „grüne Energie“ sei, sei für die Samen „grüne Kolonialisierung“, kritisiert auch Aili Keskitalo, Präsidentin des norwegischen Samenparlaments. Den Verbrauchern, die solchen Ökostrom kauften, und den Anlegern, die in die fraglichen Windkraft investieren, sollte klar sein, welche Folgen die Produktion von vermeintlich “grünem“ Strom vor Ort tatsächlich mit sich bringen würde.

Construction project threatens indigenous culture: wind farm versus living space |

August 6, 2020 |

tekdeeps.com

The construction of wind farms in Norway is booming. And German investors are behind many projects. Sami interests are ignored.

STOCKHOLM taz | Every year in June, the Norwegian energy regulator NVE publishes information about domestic electricity production and consumption in the previous year. At first glance, these are extremely strange numbers.

98 percent of the electricity in Norway was generated from renewable sources – most of it is hydropower. On the consumption side, renewables in Norway only stood for 9 percent, electricity from fossil sources for 58 and nuclear power for 33 percent. In a country without a single nuclear power plant and with just a handful of small thermal power plants?

In fact, almost all of the electricity in Norway comes from the socket. On the electricity market, however, it was practically exchanged for electricity from fossil sources and nuclear power. But only virtually. Behind this is the EU system of guarantees of origin (EU Directive 2009 / 28EC). This enables an isolated trade with the origin separated from the actual product.

In Germany, for example, the system means that lignite or nuclear power can be affixed to the green electricity label if the electricity trader has bought the proof of origin for the corresponding amount of renewable electricity from a water or wind power producer in Norway.

Such an exchange does nothing for the energy transition and climate protection in their own country, which consumers may want to promote with their choice of green electricity. But it is a profitable business for the producers in Norway, who sell the label at the highest bid, and the electricity trader, who can then market at the more expensive green electricity tariff. The proof of origin bonus, which can be earned in addition to selling electricity in the country of production, is also a reason why German energy market players are increasingly investing in energy production in the Nordic countries.
Exixtenz threatening project

Scandinavia is now “our most important market,” Ingmar Helmke, investment director at Aquila Capital, said in a recent interview. The company, which it claims to be an “alternative investment manager” that offers “innovative, forward-looking & sustainable investment opportunities”, had taken over all shares in a northern Norwegian wind power project in January. 72 wind power plants are to be built on the Øyfjellet – with an installed effect of 400 MW it is currently the largest such plant in the country.

Same Ole-Henrik Kappfjell fears for its existence due to this project. The Øyfjellet is one of the central pasture areas that his reindeer needs. A 600 to 800 meter high mountain area with largely untouched nature, which lies around 900 kilometers north of Oslo in the Nordland region.

64 kilometers of access roads and connecting roads are currently being built for the German investor’s nearly 50 square kilometer wind farm. From autumn 2021, the wind turbines should deliver electricity. They stand where the large herds of reindeer from Kappfjell and other reindeer seeds in this district traditionally switch from their summer pastures in the mountains to the winter pastures in the lowlands and vice versa.

Because of the importance of the Øyfjellet for the reindeer economy, this location for a large wind turbine was rejected by the regional government of Nordland from the beginning. Local representatives of the nature conservation association “Naturvernforbund” speak of a “catastrophe for a 600 year old culture and economy”. Conservation organizations and Sami representatives tried to stop the project judicially. However, the judiciary followed the government’s argument in Oslo: The general interest in the expansion of wind energy prevails.

The company Eolus, which is responsible for the construction, commented on the criticism in a statement published in the local newspaper that it had made various changes to the project in order to reduce the interference with the Naur. There is no reason why the wind farm and reindeer could not coexist.

Those who say so don’t understand reindeer, say the Sami. On their annual migration between the pastures, many pregnant reindeer would give birth to their young. They need rest and should not be stressed and driven with their newborn calves. Such a wind farm is an extraordinary stress factor for them: both in its construction, which involves extensive interventions in nature, and in its ongoing operation.
Start of construction without agreement

Now it was anchored in the concession regulations for the wind turbine that an agreement must be reached between its operators and the Sami, which should take into account the undisturbed migration of reindeer between summer and winter pasture areas. Although this agreement does not yet exist, construction work on Øyfjellet was allowed to start this spring before the reindeer seeds and animals had crossed the area. The Sami had called for a construction freeze of one month, the owner thought four days were sufficient.

The Department of Energy justified the approval of the continuation of the construction work with the otherwise incurred costs: “If the builder is available with crew, machines and everything, that costs millions,” said Secretary of State Tony Christian Tiller: But it was “in the public interest, this so low to keep as possible “. “A national scandal,” says Ellionor Marita Jåma, chairwoman of the “National Association of Norwegian Reindeer Seeds” (NRL): “The power of money is more important than animal welfare.”

The reindeer district, now affected by the Øyfjellet project, has already lost half of its pastures in the past four decades due to the expansion of roads, hydropower and power lines as well as mining activities. Now the next ones will disappear forever, complains Runar Myrnes Balto, chairman of the National Association of Norwegian Sami (NSR).

For reindeer seeds, wind power is neither green nor an energy turnaround, says Maria Fjellheim from the Center for Sami Studies at the University of Tromsø. It is just another industry that is laying destructively over the Sami cultural landscape. Sacrificing nature and biodiversity to the fight against global warming is not a solution. She asks: How can you justify that the Sami, with their natural habits, should pay the high costs of climate policy?

Aili Keskitalo, President of the Norwegian Seed Parliament, also criticizes what “green energy” is for the state and the economy for the Sami. The consumers who bought such green electricity and the investors who invest in the wind power in question should be aware of the consequences that the production of supposedly “green” electricity would actually have on site.

Source: taz.de – taz.de by www.taz.de.

*The article has been translated based on the content of taz.de – taz.de by www.taz.de.

Source:  Windpark versus Lebensraum; Bauprojekt bedroht indigene Kultur | Reinhard Wolff, Auslandskorrespondent Skandinavien und das Baltikum taz | 6.8.2020 | taz.de

This article is the work of the source indicated. Any opinions expressed in it are not necessarily those of National Wind Watch.

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