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Offshore-Windenergie: Gefahr für Schweinswale und andere Meerestiere?  

Author:  | Noise, Wildlife

[Offshore wind energy: Threat to porpoises and other marine animals?]

Klimaschutz | Offshore-Windenergie: Bundesumweltministerium verabschiedet sich vom Schutz der Schweinswale

+++ Gemeinsame Pressemitteilung +++

08.10.2008; Neumünster | München | Quickborn – Die Naturschutzverbände Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein erneuern ihre Forderung nach einem effektiven Schallschutz bei allen schallintensiven Arbeiten im Meer. Zur Gründung von Offshore-Anlagen sollten zudem bevorzugt Schwerkraftfundamente zum Einsatz kommen, um Lärm weitgehend zu vermeiden. Explosionen, Rammarbeiten, Sonar und seismische Untersuchung gefährden die heimischen Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde. Meeressäuger werden nachhaltig aus ihrem Lebensraum vertrieben und können gravierende Hörschäden erleiden.

Anlass für die erneute Forderung sind Ergebnisse von Schallmessungen der Rammarbeiten beim Bau der westlich von Sylt errichteten Windenergie-Forschungsplattform FINO 3, die heute im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg vorgestellt werden. Im Vorwege hatte sich ein Vertreter des Bundesumweltministeriums am Rande der Messe “Husum Wind Energy” so geäußert, dass Rammarbeiten bei Offshore-Projekten angeblich für Schweinswale unproblematisch seien, weil bei FINO 3 ein vorgeschriebener Wert von 160 dB im Abstand von 900 bis 1.000 m eingehalten wurde. Es reiche daher aus, Schweinswale aus diesem Gefahrenbereich zu vergrämen. Man könne so auf weiteren Lärmschutz verzichten.

Dieser Einschätzung widersprechen die drei Verbände heftig. “Es ist keine Wissenschaft, vorgefertigte Meinungen aus den Untersuchungsergebnissen herauszulesen”, kommentiert Ulrich Karlowski, Biologe der GRD, die Äußerung von Ministerialrat Udo Paschedag. Der vom Umweltbundesamt (UBA) geforderte Grenzwert für den Einzelereignispegel von 160 dB in 750 m Abstand wurde zwar nur um 2 dB überschritten, jedoch nur aufgrund des Einsatzes eines Blasenvorhanges mit 140 m Durchmesser. Ohne Blasenvorhang ergibt sich dagegen eine Überschreitung des Grenzwertes um 14 dB. Dies entspricht wegen der logarithmischen Skalierung einer etwa 25-fach höheren Schallleistung. Der Spitzenpegel überschreitet den Grenzwert von 170 dB sogar um 25 dB.

Insgesamt werten die Verbände die Ergebnisse der Schallmessungen bei Offshore-Rammarbeiten prinzipiell als positiv. Blasenvorhänge sind für den Schallschutz geeignet. Die Verringerung des Breitband-Schalldrucks um bis zu 12 dB durch einen Blasenvorhang verringert die Fläche des Gefahrenbereichs für Meeressäuger um 97 %.

Beim Bau des belgischen Windparks ‚Thornton Bank‘ wurden aber Schwerkraftfundamente in 25 m Wassertiefe eingesetzt, die ohne einen einzigen Rammschlag auskommen. Innovativere Lösungen zur Vermeidung unnötigen Lärms sollten nach Meinung der Verbände daher bei der Bauausführung oberste Priorität haben. Bei unvermeidlichem Lärm müssen die bereits mehrfach erfolgreich erprobten Lärmminderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.

Denn neuere amerikanische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Gefährlichkeit für Meerestiere mit der Anzahl der Rammschläge steigt. “Es bleibt ein deutlicher Unterschied, ob Schweinswale einem einzelnen Schallimpuls, oder – wie bei FINO 3 – mehreren tausend Schallimpulsen ausgesetzt sind”, erläutert Biologin Petra Deimer von der GSM. Die Energie von Schallimpulsen addiert sich im Ohr. Dieser Umstand ist im derzeitigen Grenzwert des Umweltbundesamtes noch nicht berücksichtigt. Hier muss nach Ansicht der Verbände nachgebessert werden.

Der UBA-Grenzwert berücksichtigt zudem in keiner Weise die Vertreibung der Schweinswale durch lärmintensive Arbeiten aus ihrem Lebensraum. Auch kumulative Wirkungen wurden bislang nicht in die Betrachtung einbezogen. “Wenn in den nächsten Jahren, wie von Teilen des Bundesumweltministeriums gewünscht, tausende Windenergieanlagen im Meer installiert werden, ist allerorten mit enormem Krach zu rechnen. Schweinswale können diesem Lärm dann nicht mehr entkommen”, erklärt Hermann Schultz, Landesvorsitzender des NABU.

Karte des BSH: “Nordsee Offshore-Windparks; geplant, genehmigt, abgelehnt, im Bau, in Betrieb” (pdf 200kb)

Watten-Rat: E.ON verlegt Kabel für Offshore-Windpark

Windkraftforschung gefährdet Kinderstube der Schweinswale

+++ Gemeinsame Pressemitteilung +++

29.07. 2008; Neumünster | Quickborn | München – Am 30. Juli 2008 wird 80 km westlich von Sylt der 73 m lange und 4,7 m breite Fundamentpfahl der schleswig-holsteinischen Forschungsplattform “FINO 3” rd. 30 m tief in den Meeresgrund gerammt. Durch extrem laute Schallemissionen ins Meer können jedoch die dort lebenden Schweinswale massiv gestört und aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben werden. Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein befürchten negative Folgen für die bedeutende Schweinswal-Kinderstube vor Sylt. Da der Nutzen von „FINO 3“ zweifelhaft ist, halten die Naturschutzverbände das Projekt für überflüssig.

Mit etwa 4 bis 5 Schweinswalen pro km² haben Wissenschaftler der Kieler Universität um den Standort von FINO 3 herum die höchsten Schweinswaldichten deutscher Meeresgebiete bestimmt. Hier liegt der wichtigste deutsche sommerliche Schweinswallebensraum. Ausgerechnet in diesem Gebiet und ausgerechnet zur Zeit der Jungenaufzucht zu bauen, widerspricht dabei nach Auffassung der Verbände allen öffentlichen Bekenntnissen der Bundesregierung zum Walschutz.

Schweinswale bekommen in der Nordsee zwischen Anfang Juni und Mitte Juli ihre Jungen. Die bei Bauarbeiten auftretenden Schalldrücke sind trotz vorgesehener Schallschutzmaßnahmen mit Schalldrücken von 225 dB extrem laut. Ein derart intensiver Lärm wird alle Schweinswale aus einem Gebiet von der Größe des schleswig-holsteinischen Wattenmeer- Nationalparks vertreiben, befürchten die Sprecher der Umweltorganisationen.

“Schweinswal-Kälber sind nun etwa vier bis acht Wochen alt. Sie schwimmen deutlich langsamer als ihre Mütter, was beim durch die Rammarbeiten ausgelösten Fluchtverhalten die Gefahr birgt, dass Kälber von ihren Müttern getrennt werden und sterben”, erklärt Petra Deimer, Meeresbiologin der GSM.

Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen, die ebenfalls im Impulsrammverfahren im Meeresboden verankert werden, fordert das Umweltbundesamt UBA für Gebiete mit hoher Bedeutung für Geburt und Aufzucht von Schweinswalen, in den Monaten April bis August keine lärmintensiven Arbeiten durchzuführen. Diese Auflage floss bislang auch in viele Genehmigungen für deutsche Windparks ein.

“Warum ausgerechnet FINO 3 als öffentlich gefördertes Windkraft-Forschungsprojekt von dieser Praxis abweicht, ist nicht nachvollziehbar”, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD. “Vom Bundesumweltministerium werden wortreiche Konferenzen über Klima- und Artenschutz veranstaltet, wenn es aber darum geht, wirkungsvolle Schutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen und die Empfehlungen von Experten zu berücksichtigen, stellt sich Umweltminister Gabriel taub”.

Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein, ergänzt: “Aus Erfahrungen mit den deutschen Forschungsplattformen FINO 1 und 2 wissen wir auch, dass an den Masten viele Vögel durch Kollision ums Leben kommen können. Man muss sich fragen, ob der geringe zusätzliche Erkenntnisgewinn durch eine weitere Plattform so groß ist, dass er die offensichtlichen massiven Beeinträchtigungen für die Natur rechtfertigt.”

Es geht auch anders mit Schwerkraft-Betonfundamenten wie beim Bau der REpower 5M Anlage (siehe Foto). Diese Fundamente müssen nicht gerammt werden und sind also auch bei den ganz großen Anlagen technisch möglich. Man muss sich das so vorstellen, dass an Land ein “Haus” vorgefertigt, dann im Meer versenkt und anschließend mit Sand vollgespült wird.

Die Schallemissionen dürften hier weitaus geringer sein. Warum ausgerechnet beim Bau der mit Steuergeldern geförderten Forschungsanalge “Fino 3” nicht die wesentlich umweltfreundlichertere Schwerkraft-Betonfundament-Technik verwendet wird, ist ebenso skandalös wie rätselhaft. Oberartenschützer Sigmar Gabriel ist wohl schon vom Windkraftgetöse völlig taub für den Meeresartenschutz geworden…

Klimaschutz kontra Naturschutz?

12.07.2008 – So richtig und wichtig der Kampf gegen die globale Klimaerwärmung ist, er darf nicht zu Lasten der Umwelt gehen, die man eigentlich durch Klimaschutzmaßnahmen schützen möchte. Doch genau dies geschieht: Vermeintlich klimafreundliche Technologien erweisen sich zunehmend als Umweltkiller. Angefangen vom Primärregenwälder und landwirtschaftliche Ertragsflächen zerstörenden Anbau von Pflanzen zur Biokraftstofferzeugung (Agrokraftstoffe/Biosprit), über die unerwartete Renaissance der Atomkraft bis hin zum rücksichtlosen Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen an unseren Küsten.

Und spätestens als die Bundesregierung angesichts stetig steigender Gas- und Ölpreises bekannt gab, verstärkt auf Windenergie zu setzen, steht einem hemmungslosen Ausbau dieser Energiequelle nicht mehr viel im Wege. Da kümmern auch ein paar vom Aussterben bedrohte Schweinswale wenig, die durch während der Bauarbeiten sogar vermeidbare Schallemissionen aus ihren Lebensräumen vertreiben oder getötet werden könnten. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), für den Naturschutz offenbar lediglich ein planerisches Ärgerniss ist, hat bereits einen Raumordnungsplan zum Bau von bis zu 30 Windparks in der Nord- und Ostsee fertiggestellt. Das Bundesumweltministerium (BMU) gibt geflissentlich Geleitschutz und verbreitet beschönigende Erklärungen.

Bereits im Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark “Horns Rev 2” westlich von Blåvands Huk, denkbar ungünstig genau in der Zeit, in der Schweinswale ihre Jungen gebären. In dem betroffenen Gebiet kommen sie in dieser Zeit nicht nur in besonders hoher Dichte vor, es ist auch noch ihre wichtigste Kinderstube.

„Es ist eine Farce, wenn der Bau von als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube bedrohter Schweinswale verwüstet“, beklagten GRD, NABU und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) in einer gemeinsamen Presseerklärung.

GRD, NABU und GSM fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf deren Einsatz verzichten.

Der bedenkenlose Klima-Aktionismus der Bundesregierung, der schon beim Biosprit-Desaster eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde, wird unsere heimische Artenvielfalt mit voller Wucht treffen. Lebensräume werden zu lebensfeindlichen Wüsten klimageschützt und bedrohte Tierarten – wenn auch klimafreundlich – ausgerottet.
Ulrich Karlowski

“Techno-Lärm” in der Wal-Kinderstube: Beim Lärmschutz auf dem Meer besteht in Dänemark und Deutschland erheblicher Nachholbedarf

Schreiben von NABU, GRD und GSM an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel v. 18.06.2008 (pdf)

29.05.2008; Neumünster | München | Quickborn – Mitte Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark “Horns Rev 2” westlich von Blåvands Huk. Was der Umwelt nutzen soll, schadet Meeressäugern wie dem Schweinswal, stellen die Umweltorganisationen GRD, GSM und NABU fest: Rammen, die die 91 Fundamentpfähle der Anlagen in den Boden treiben sollen, erzeugen erheblichen Lärm. Unter Wasser werden Schalldrücke von bis zu 235 dB erreicht. Der Zeitpunkt für die Arbeiten ist denkbar ungünstig gewählt – für Schweinswale steht die Geburt ihrer Jungen unmittelbar bevor. Auch die Bundesrepublik verzichtet häufig auf technisch möglichen Schallschutz auf See.

Durch das Rammen der Fundamente vor Blåvands Huk wird die Schweinswal-Kinderstube über die gesamte Fortpflanzungszeit in einen “Technobunker” verwandelt. Welche Auswirkungen die monatelangen Rammarbeiten haben, ist trotz Umweltverträglichkeitsstudien unbekannt. GRD, GSM und NABU befürchten in dieser empfindlichen Zeit erhebliche Störwirkungen. Die 9. UN-Naturschutzkonferenz (CBD) bedauert wortreich den anhaltenden Verlust der globalen Artenvielfalt – die Weltgemeinschaft wird auf wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel eingeschworen. “Unsere Meere verkommen dabei zusehends zu lauten Industriegebieten. Es ist eine Farce, wenn der Bau der als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube der Schweinswale verwüstet”, stellt Petra Deimer von der GSM fest.

Für die Nordsee-Schweinswale steht die Fortpflanzungszeit unmittelbar bevor: In einem grenzüberschreitenden Bereich, der sich westlich des dänischen Wattenmeeres und der Inseln Sylt und Amrum bis etwa 100 km ins Meer erstreckt, kommen sie in dieser Zeit in besonders hoher Dichte vor. Hier liegt nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern auch deren wichtigste Kinderstube. Der dringend notwendige Schutz dieser gefährdeten Meeressäugetiere fußt jedoch auf wenigen Schutzgebieten, die aber den Kleinwalen keine ausreichende Sicherheit bieten: Für Schweinswale lebensgefährliche Stellnetze, der Abbau von Kies, seismische Untersuchungen, aber auch der Bau von Windparks gefährden selbst hier wie im übrigen Meer die Meeressäuger.

NABU, GSM und GRD fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen zu nutzen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf Toter Schweinswalderen Einsatz verzichten. “Mit Blasenvorhängen oder schallisolierten Stülprohren lässt sich aber eine Reduzierung der Gefährdungsfläche auf ein Hundertstel erreichen”, erklärt NABU-Landesvorsitzender Hermann Schultz. “Entsprechend muss der Einsatz vom Bund zwingend vorgeschrieben werden.”

Denn in der Bundesrepublik sieht es beim Schallschutz nicht deutlich besser aus. Hier wird der Startschuss zum Offshore – Windenergieboom in diesem Jahr gegeben. Vor Sylt soll die Forschungsplattform “FINO 3” und vor Borkum das Offshore Testfeld “alpha ventus” mit 12 Windenergieanlagen gebaut werden – ohne effektiven Schallschutz. Insgesamt sind in der Nordsee 16 und in der Ostsee drei weitere bereits genehmigte Windparks mit je 80 Anlagen geplant. Hinzu kommen noch Windparks in Küstennähe, die durch die Landesbehörden in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern genehmigt wurden.

Selbst bei öffentlich geförderten Projekten wie “FINO 3” und “alpha ventus” drückt man sich um Zusagen für einen effektiven Schallschutz. Für ein vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördertes Errichtungsschiff ist ebenfalls kein Schallschutz vorgesehen. Diesbezügliche Anfragen von NABU, GSM und GRD an das BMU und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) blieben bislang entweder unbeantwortet, oder die Antwort fiel so allgemein aus, dass es zweifelhaft erscheint, dass rechtzeitig zum Baubeginn entsprechende Schallschutzmaßnahmen vorliegen werden.

Wir befürchten, dass kommerzielle Windparkbetreiber in Deutschland ebenfalls auf Schallschutzmaßnahmen verzichten wollen, wenn sich selbst Bundeseinrichtungen darum drücken”, erklärt Ulrich Karlowski von der GRD.

AKTUELL: 16.07.2008 – Bau des ersten Offshore-Windparks “alpha ventus” kann beginnen:
Hamburg/Borkum (dpa/lno) – Der Bau des ersten Offshore-Windparks “alpha ventus” in der Nordsee kann beginnen. Das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erteilte am Dienstag die Baufreigabe für die Testanlage. 45 Kilometer nördlich von Borkum können die ersten zwölf Rotoren mit je fünf Megawatt Leistung aufgestellt werden. “Damit wird “alpha ventus” das erste Windparkprojekt in Deutschland sein, das voraussichtlich ab Herbst Strom auf hoher See produziert”, sagte Christian Dahlke, der im BSH für Offshore-Vorhaben und marine Raumordnung verantwortlich ist. Der Bund fördert das Vorhaben mit 50 Millionen Euro.

Damit Schweinswale nicht schwerhörig werden

28.02.2008, Oldenburg/Wilhelmshaven | Quellen: ddp|adhoc-news – Der von Windpark-Baustellen auf See ausgehende Lärm könnte für die geräuschempfindlichen Schweinswale in der Nordsee zur Bedrohung werden. “Der enorme Lärm, der durch das Rammen der dicken Pfähle in den Meeresgrund entsteht, kann beim Schweinswal zu Hörschädigungen führen”, sagt der Physiker und Akustiker Manfred Schultz von Glahn vom Institut für technische und angewandte Physik (ITAP) in Oldenburg. Die Wissenschaftler sehen den Lebensraum dieses kleinen Tümmlers vor der ostfriesischen Nordseeküste deshalb als gefährdet an.

“Sollten die Wale sich in einem Radius unterhalb von etwa 1700 Metern zur Baustelle aufhalten, kann es für sie schwerwiegende Folgen haben”, sagt der Wissenschaftler. Beim ITAP wird in Zusammenarbeit mit der Universität Hannover und dem Deutschen Windenergie-Institut in Wilhelmshaven im Auftrag des Bundesumweltministeriums nach Lösungen geforscht, um den Baulärm auch zum Wohle der Schweinswale zu minimieren.

Die Zeit drängt, denn schon im Sommer soll «alpha ventus», ein Großprojekt der Energieversorger E.ON, EWE und Vattenfall, als erster Offshore-Windenergiepark unter Hochseebedingungen realisiert werden. 45 Kilometer vor der Insel Borkum sollen in zwei Bauabschnitten insgesamt zwölf Windenergieanlagen entstehen.

Dem bisher relativ unerforschten Leben der Schweinswale geht man auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven auf den Grund. Dort sollen ab März gezielt alle Sichtungen des kleinen Tümmlers ausgewertet werden, um herauszufinden, wie viele dieser Meeressäuger tatsächlich vor der niedersächsischen Küste leben.

“1994 wurde der Bestand von Schweinswalen in der zentralen und südlichen Nordsee auf rund 170 000 Tiere geschätzt”, sagt Richard Czeck, der bei der Nationalparkverwaltung für Meeressäuger zuständig ist. Durch den Bau der geplanten Offshore-Windparks sieht auch er den Bestand dieser Meeressäuger in Gefahr: “Die Schweinswale werden im besten aller Fälle nur vertrieben, Hörschädigungen sind jedoch wahrscheinlich.” Da die Schweinswale vor allem mit Hilfe des Ultraschalls navigieren und sich orientieren, treffe sie der Baulärm an ihrer empfindlichsten Stelle. “Sie brauchen ihr Gehör, um erfolgreich Fische zu jagen. Ist es gestört, sind sie nicht lebensfähig”, warnt Czeck.

“Der Schall, der beim Rammen der meterdicken Pfähle für die Fundamente von Offshore-Windanlagen in den Meeresgrund entsteht, soll reduziert werden”, sagt ITAP-Wissenschaftler Schultz von Glahn. Dafür führen er und seine Forscherkollegen Untersuchungen beim Bau von Forschungsplattformen in der Nord- und Ostsee und an einem Testpfahl in der Ostsee vor Travemünde durch. Mindestens 225 Dezibel ist jeder Rammstoß laut, wie Wissenschaftler des Forschungs- und Technologiezentrums Büsum herausgefunden haben. Bei rund 200 Dezibel Lautstärke kommt es demnach bei den hörempfindlichen Schweinswalen jedoch schon zu kurzzeitiger Schwerhörigkeit.

Damit das möglichst nicht passiert, favorisieren die Forscher des ITAP eine Schallschutzhülle. Diese ist entweder aufblasbar oder besteht aus stark lufthaltigem Material wie Schaumstoff und wird um den Pfahl gelegt. Dadurch werde der Schall im Wasser stark abgeschwächt. Dieses Verfahren sei bereits erfolgreich am Testpfahl vor Travemünde erprobt worden. “Wie es jedoch unter Hochseebedingungen funktioniert, werden wir erst sehen, wenn der erste Offshore-Windpark im Sommer gebaut wird”, sagt Schultz von Glahn.

Beim Energiekonzern Vattenfall ist man sich sicher, dass die Geräuschbelästigung durch Bau und Betrieb des Offshore-Windparks vergleichsweise gering ausfallen werde. “Weiteres muss nun durch die ökologische Begleitforschung geklärt werden”, sagte Konzernsprecherin Katharina Bloemer.
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Planungen für mittlerweile über 50 Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee haben Naturschützer aufgeschreckt

Welchen Einfluss haben Windparks auf hoher See mit hunderten, bis 150 Meter hohen Windrädern auf die Meeresumwelt?

Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher.

Bericht von Sven Koschinski:
Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung – naturgemäß halten sie sich überwiegend unter der Wasseroberfläche auf und sind außerdem noch recht scheu. Die auftauchenden Schweinswale sind zwischen den Wellen der Nord- oder Ostsee kaum auszumachen.

Ein Untersuchungsgebiet mit idealen Bedingungen fand sich in den geschützten Fjorden an der Westküste Kanadas. Das Oberflächenverhalten dort lebender Schweinswal- und Seehundpopulationen konnte mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät aus der Vermessungstechnik) beobachtet und jeder Auftauchpunkt genau vermessen werden.

Die Schweinswale wurden unter Wasser noch zusätzlich mit einem Klickdetektor belauscht, der das Biosonar der Tiere erfasst und die Anzahl der Echoortungs-Klicks im 10-Sekunden-Rhythmus registriert. Damit konnten erstmals genaue Sichtbeobachtungen und akustische Messungen “übereinander gelegt” werden.

Geräusche schwedische Offshore-Windenergieanlagen wurden den Meeressäugetieren mit einem CD-Player und einem über 70 kg schweren Unterwasserlautsprecher vorgespielt. So simulierten wir für die bis dahin ungestörten kanadischen Tiere die Geräuschkulisse in der Umgebung einer Windenergieanlage. Wir konnten innerhalb von zwei Wochen die Reaktionen von über 800 Schweinswalgruppen und über 300 Seehunden erfassen.

Die Ergebnisse sind überraschend. Die Schweinswale und Seehunde hielten im Schnitt einen größeren “Sicherheitsabstand” zur Schallquelle ein, wenn die Geräusche abgespielt wurden, doch ein Ausschlussgebiet rundherum, wie wir es in einem früheren Versuch mit Piepern (1) festgestellt hatten, konnte nicht beobachtet werden. Einige Tiere tauchten sogar wiederholt unmittelbar neben dem Unterwasserlautsprecher auf.

Die Schweinswale setzten bei angeschaltetem Geräusch ihr Biosonar etwa doppelt so häufig ein wie im Kontrollversuch. Wahrscheinlich wurde die Schallquelle auf diesem Sinneswege genauer untersucht.

Dass sich einige Tiere der Lärmquelle neugierig näherten, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die Schweinswale reagierten auf die Störung und in welchem Ausmaß dies bei größeren und mehreren Offshoreanlagen der Fall sein wird, muss noch näher untersucht werden.

Zudem sind nach wie vor die begleitenden Probleme zu lösen. Vor allem beim Bau der Anlagen in den sturmarmen Sommermonaten – also genau zur Fortpflanzungszeit von Schweinswalen und Seehunden, kommt es zu erhöhtem Schiffsverkehr durch Baufahrzeuge sowie weitreichenden Schallemissionen durch Rammarbeiten für die Fundamente der Windmühlen. Dieser zum Teil erhebliche Lärm könnte die Tiere aus ihrem Habitat vertreiben.

Da alle Antragsteller ihre Windparks bis 2006 fertigstellen wollen (denn nur so weit reicht die Förderung des Gesetzgebers durch die Garantie hoher Stromeinspeisevergütungen), wird es vor der deutschen Nord- und Ostseeküste kaum einen unbeeinflussten Bereich geben, der sich als ruhiges Rückzugsgebiet für die Tiere eignet. Hier müssen Genehmigungsbehörden den Bauunternehmen rechtzeitig Grenzwerte vorschreiben und geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung gefunden werden.

Ob Blasenvorhänge (2) eine Lösung darstellen, ist noch unklar. Auch sollten die Betreiberfirmen sich nach alternativen Gründungsarten umschauen (zum Beispiel Einspülen der Fundamente). Für die spätere Betriebsphase der Windparks suchen wir weiterhin nach unkritischen Frequenzbereichen für Windräder und Turbinen.

Da das Hörvermögen von Schweinswalen und Seehunden mit tiefen Frequenzen immer weiter abnimmt, müssen die Konstrukteure darauf achten, dass die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht anfangen zu “jaulen”. Unser Ziel ist es, bereits in der Entwicklung der Windgeneratoren mit technischen Maßnahmen das Emissionsverhalten positiv zu beeinflussen.

(1) Pieper oder englisch “pinger” sollen dazu dienen, die hohen Beifangraten von Schweinswalen zu verringern, indem die Tiere von Netzen vertrieben werden. Ungelöste Probleme bereiten dabei eine mögliche Gewöhnung an den Schall und ein eventueller Ausschluss aus ihrem Habitat.
(2) Blasenvorhang: Unterwässerschläuche mit vielen Löchern sprudeln Luftblasen. An dem dadurch entstehenden “Vorhang” brechen sich die Schallwellen bestimmter Frequenzen, dahinter ist es leiser.

pdf-download (ca. 900 KB) der Publikation “Behavioural reactions of free-ranging porpoises and seals to the noise of a simulated 2 MW windpower generator”; erschienen in: Marine Ecology Progress; Vol. 265: 263-273; vom Dezember 2003

Rote Karte für zwei Windparks in der Ostsee

Dezember 2004 – In zwei Schutzgebieten in der Ostsee dürfen keine Offshore-Windparks errichtet werden. Die Anträge auf Genehmigung zweier Windparks in der “Pommerschen Bucht” und im angrenzenden Gebiet “Adlergrund” hat das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg abgelehnt.

Deutschland habe beide Gebiete bereits als Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 vorgeschlagen und nach Brüssel gemeldet, teilte das Bundesumweltministerium (BMU) mit.

Strategie der Bundesregierung sei ein umwelt- und naturverträglicher Ausbau der Windenergie auf hoher See. Das europäische Vogelschutzgebiet “Pommersche Bucht” gilt als ideales Rast-, Mauser-, Nahrungs- und Überwinterungsquartier, insbesondere für verschiedene Entenarten. Das Gebiet “Adlergrund” zeichne sich vor allem durch wertvolle Sandbänke und Riffe aus. Die Antragsteller waren laut BMU frühzeitig darauf hingewiesen worden, dass die ausgewiesenen Schutzgebiete in Nord- und Ostsee grundsätzlich nicht für den Bau von Windenergieanlagen geeignet sind.

Die beiden Windparks sollten insgesamt 115 Anlagen umfassen.

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