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Windkraft-Riese Enercon streicht 3000 Jobs—„Die Politik hat uns den Stecker gezogen“

[Wind power giant Enercon cuts 3,000 jobs – “Politicians have pulled the plug” (translate article to English)]

Die Krise der deutschen Windenergiebranche verschärft sich. Beim größten deutschen Hersteller Enercon sollen harte Einschnitte nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” 3000 Arbeitsplätze kosten.

Das Unternehmen will ab dem kommenden Jahr Verträge mit deutschen Zulieferern kappen und auch in der Zentrale Stellen streichen. Betroffen sind ausgerechnet ohnehin strukturschwache Regionen. An den Standorten Aurich und Magdeburg sollen nach Unternehmensangaben jeweils 1500 Jobs wegfallen. In der Firmenzentrale in Aurich sind 250 bis 300 Stellen betroffen. Am Freitagnachmittag erfuhren Tausende Beschäftigte, was die Enercon-Pläne für sie bedeuten. Auch die betroffenen Landesregierungen wurden von den Plänen informiert. Der Konzern streicht die Stellen zum großen Teil nicht direkt. Er hat seine Produktion fast vollständig an kleinere Drittfirmen ausgelagert, die aber oft allein von Enercon abhängen. Werden Lieferverträge wie geplant beendet, droht vielen dieser Firmen das Aus.

Enercon-Chef Kettwig: „Die Politik hat uns den Stecker gezogen“

Enercon steht wie kaum ein anderes Unternehmen für den Aufstieg der Branche und könnte nun zum Synonym für die schwere Krise werden. Lange war Enercon unangefochtener Marktführer. In Deutschland errichtete die Firma 17.000 der insgesamt 29.000 Windräder an Land. Das Management begründete den Schritt am Freitag mit den Folgen politischer Entscheidungen. „Das ist für uns eine sehr emotionale Situation“, sagt Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig der Süddeutschen Zeitung. „Die Krise der Energiewende ist auch bei uns angekommen.“ Jetzt gehe es darum, den Turn-around zu schaffen: eine Wende in der Energiewende, eine Zuwendung hin zum Auslandsgeschäft.

Hintergrund der Probleme ist ein Einbruch beim Zubau von Windanlagen. Lieferte Enercon in den vergangenen Jahren jährlich teils mehr als 700 Anlagen für den deutschen Markt aus, waren es in diesem Jahr nach Unternehmensangaben erst 65. „Die Politik hat uns den Stecker gezogen“, sagt Firmenchef Kettwig. „Und einen Akku haben wir nicht.“ Auch das internationale Geschäft könne den Einbruch nicht kurzfristig kompensieren. Der Folgen für die Lieferanten ist sich das Unternehmen bewusst: „Wir ziehen diesen Firmen den Boden unter den Füßen weg“, räumt Kettwig ein. Aus Mangel an Aufträgen habe man dazu selbst keine Alternative.

Windbranche droht Abwanderungswelle

Der Fall Enercon zeigt, dass der Windbranche eine ähnliche Abwanderungswelle droht, wie den einst führenden deutschen Solarfirmen. „Wir können uns auf Deutschland nicht mehr verlassen“, sagt Enercon-Finanzchef Thomas Cobet. Das Unternehmen müsse sich nun dringend auf andere Märkte ausrichten. Finanziell sei es weiterhin solide, die Eigenkapitalquote in der Enercon GmbH als Kern der Gruppe liege immer noch oberhalb von 50 Prozent. Dies gelte auch unter Berücksichtigung der signifikanten Verluste, die in diesem Jahr eine halbe Milliarde deutlich übersteigen könnten. Vermehrt wolle man sich nun in Frankreich engagieren, oder aber in Ländern wie Indien.