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Wo sich große Windräder in Bayern lohnen

München. Dass sich Ministerpräsident Seehofer im Kabinett nicht durchsetzt, kommt eher selten vor. Der neue Windatlas ist gestern gegen seine Bedenken schon vor der Europawahl von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner veröffentlicht worden.

„In Bayern schlummert bei der Windenergie ein Riesenpotenzial“, erklärte dazu SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen. „Vor allem in der Oberpfalz und in Franken kann der Wind wirtschaftlich ein Segen sein.“Eine frühere Veröffentlichung hätte viel Ärger, Arbeitszeit und vor allem die Vergeudung von Steuergeldern und privaten Investitionen gespart, kritisierte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann. „Plötzlich weht auch in Regionen wie Mittelschwaben und Westunterfranken Wind, wo man bislang eher Flaute vermutet hatte.“

Mit langer Verspätung präsentierte Aigner gestern vor der CSULandtagsfraktion den Windatlas, der die Planung neuer Windräder für die über 2000 bayerischen Kommunen erleichtern soll. „Im Windatlas wird festgelegt, wo wirtschaftliche Investitionen erfolgreich möglich sind“, so Aigner.

Die neue Version des Windatlas hätte eigentlich schon vor der letzten Landtagswahl und Aigners Amtsantritt veröffentlicht werden sollen. Wäre es nach Ministerpräsident Horst Seehofer gegangen, hätte sich die Veröffentlichung sogar bis nach der Europawahl verzögert, wie es in Kabinettskreisen hieß. Grund für Seehofers Bedenken war demnach die Europawahl und die Befürchtung, dass es neuen Ärger um die Windkraft geben könnte.

Die Ministerrunde entschied sich aber dann doch, den Windatlas zu veröffentlichen. Den Ausschlag gab offensichtlich die Befürchtung eines negativen Medienechos. Seehofer selbst widersprach gestern allerdings der Schilderung, er habe die Veröffentlichung verzögern wollen: „Das ist ein Märchen, das ist falsch.“

Die Opposition dagegen sieht sich in ihrem Verdacht bestätigt, dass Seehofer Windräder blockieren wolle, obwohl die Windkraft in Bayern Potenzial habe.

DieWindstärke variiert nach Region, Jahreszeit und Höhe über dem Boden, innerhalb einer Gemeinde kann es große Unterschiede geben. Nach den Online-Karten des neuen Windatlas bläst der Wind 160 Meter über dem Boden in höheren Lagen Oberfrankens, der östlichen Oberpfalz, Unterfrankens und im westlichen Mittelfranken ziemlich kräftig – mit Windgeschwindigkeiten von sechs Metern und mehr pro Sekunde.

In großen Teilen Schwabens werden 160 Meter über dem Boden zumindest Windgeschwindigkeiten von über fünf Metern pro Sekunde erreicht. Das Ministerium weist aber darauf hin, dass der Atlas keine detaillierte Standortanalyse ersetzen kann. 160 Meter entspricht der Nabenhöhe moderner großer Windräder. Seehofer will den Kommunen die Möglichkeit geben, größere Abstände von Windrädern zu Wohnhäusern festzulegen. Wenn es Widerstand vor Ort gibt, soll der Abstand eines Windrads vom nächsten Wohnhaus das Zehnfache der Bauhöhe betragen – bei zweihundert Metern Rotorhöhe wären das zwei Kilometer. − lby