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Lehniner Gruppe will vor allem die Wälder vor den riesigen Anlagen schützen

[Lehniner group wants to protect the forest]

LEHNIN – Sie sind mit dem Lehniner Wald groß geworden und nach Jahren deswegen wieder nach Lehnin zurückgekehrt, in die Häuser ihrer Familien, die am Wald stehen. „Als Kinder haben wir hier Verstecken gespielt“, erinnert sich Mareén Benthin. „Heute kann man durch die Bäume hindurch weit sehen, so licht ist es inzwischen.“ Doch nicht allein die Forstwirtschaft treibt sie, Waltraud Plarre und einige andere Leute um: Weil sie fürchten, dass bald Windräder in die Wälder gesetzt werden dürfen, haben sie jetzt die Bürgerinitiative (BI) „Rettet unseren Wald“ gegründet. Zehn Frauen und Männer seien bislang dabei. „Es kommen stetig neue dazu“, sagt Plarre, „wir haben ja gerade erst angefangen.“

Der Versuch der Gemeinde Kloster Lehnin, ein Waldstück zwischen Kolpinsee und Autobahndreieck Werder als Erholungswald auszuweisen und so vor Windkraftanlagen zu schützen, beruhigt die BI nur ein bisschen. Denn auf der anderen Seite des Gemeindegebietes ist die Kommune geneigt, dem Bau weiterer Windräder zuzustimmen. Dies deckt sich mit dem Suchraum „Westliche Zauche“ der Regionalen Planungsgemeinschaft. Demnach könnte zwischen Prützke, Grebs, Golzow und Krahne eines der größten Windkraft-Gebiete im Westen des Landes Brandenburg entstehen.

Günter Rauhut, er sitzt für die Links-Partei im Gemeinderat, möchte sich nicht vorstellen, „dass im Wald zwischen Grebs und Golzow solche Anlagen stehen“. Er halte es für sinnvoll, „dass der Strom dort produziert wird, wo man ihn auch braucht“. In Kloster Lehnin sei man bedient. Der Strombedarf in der rund 200 Quadratkilometer großen Gemeinde ist nach Einschätzung der Gemeindeverwaltung derzeit zu mehr als 220 Prozent gedeckt. „Also mehr als genug“, sagt Rauhut.
Das Treffen mit drei Dutzend Anti-Windkraft-Bürgerinitiativen in Diepensee (Dahme-Spreewald) habe ihr Mut gemacht, sich in Kloster Lehnin zu engagieren, sagt Waltraud Plarre. Die Debatte um den Erholungswald in Kloster Lehnin habe ihr die Augen geöffnet, „dass da jemand an unseren Wald heran will“. In Gesprächen mit Lehninern stelle sie nun ihrerseits fest, „wie wenig sich die Menschen vorstellen können, dass Wald für Windräder geopfert werden soll“. Eben dort will die BI ansetzen: „Informationen sammeln und weitergeben“, erläutert Plarre. Ob und wann die Initiative eine eigene Info-Veranstaltung auf die Beine stellt, sei noch ungewiss. Gern würde sie die Erkenntnisse der Vogelschützer unter die Leute bringen. Jüngst informierte Tobias Dürr in einem öffentlichen Vortrag in Brandenburg über den zehntausendfachen Tod von Vögeln und Fledermäusen durch Windräder. Vogelschützer Dürr hat dabei unter anderem die Windräder bei Prützke, Grebs und Michelsdorf untersucht.

Waltraud Plarre fürchtet überdies, dass die Windräder manche „Dorfgemeinschaft kaputt macht“. „Es gibt Grundbesitzer, die die Pacht von den Anlagenbetreibern bekommen, und welche, deren Land direkt daneben an Wert verliert“, sagt sie. Die aufgeladene Debatte in der vorigen Woche in Emstal zeige ihr, wieviel Sprengstoff in diesem Thema steckt.

Die Bürger-Initiative ist unter anderem über Günter Rauhut erreichbar unter 0 33 82/99 91 08. (Von Heiko Hesse)